Präbiotika und Probiotika sind vielen Tierhaltern inzwischen ein Begriff. Doch immer häufiger ist in der Tierernährung auch von Postbiotika die Rede. Was verbirgt sich dahinter – und was unterscheidet sie von den bekannteren Prä- und Probiotika? Das Wichtigste vorweg: Bei Postbiotika wurden die eingesetzten Mikroorganismen gezielt inaktiviert. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Bestandteile wirkungslos sind.
Was sind Postbiotika?
Postbiotika sind Bestandteile aus inaktivierten Mikroorganismen und deren Fermentation. Im Gegensatz zu Probiotika enthalten sie keine lebenden Mikroorganismen. Als Grundlage dienen beispielsweise bestimmte Bakterien oder Hefen. Bei einem Postbiotikum auf Hefebasis werden die Mikroorganismen zunächst unter kontrollierten Bedingungen kultiviert und anschließend gezielt inaktiviert. Anders als Probiotika enthalten Postbiotika somit keine gezielt zugesetzten lebenden Kulturen, die sich vermehren können. Je nach Herstellungsverfahren kann die fertige Zubereitung neben den inaktivierten Hefezellen auch Zellbestandteile und Stoffe aus dem Fermentationsprozess enthalten. Dabei gilt: Nicht jede inaktivierte Hefe und nicht jedes Fermentationsprodukt ist automatisch ein Postbiotikum. Entscheidend sind die genaue Zusammensetzung, die dokumentierte Inaktivierung, die Sicherheit und ein nachgewiesener gesundheitlicher Nutzen der gesamten Zubereitung.
Gut zu wissen: Was kann in Postbiotika enthalten sein?
Je nach Ausgangsmikroorganismus und Herstellungsverfahren können postbiotische Zubereitungen unter anderem enthalten:
- inaktivierte Hefen oder Bakterien,
- Zellwandbestandteile wie Beta-Glucane oder Mannane,
- Stoffe, die während der Fermentation entstanden sind.
Ein einzelner Zellwandbestandteil oder Fermentationsstoff ist jedoch nicht automatisch ein Postbiotikum. Erst die gesamte Zubereitung mit mikrobiellen Zellen oder Zellbestandteilen und nachgewiesenem gesundheitlichem Nutzen erfüllt die wissenschaftliche Definition.
Was unterscheidet Präbiotika, Probiotika und Postbiotika?
Obwohl die Begriffe ähnlich klingen, beschreiben sie drei unterschiedliche Ansätze:
| Begriff | Einfach erklärt |
|---|---|
| Präbiotika | Bestimmte Futterbestandteile, die von ausgewählten Mikroorganismen im Darm genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise Inulin und Fructooligosaccharide, kurz FOS. |
| Probiotika | Lebende Mikroorganismen, die zum Zeitpunkt der Verabreichung in ausreichender Menge vorhanden sein und einen gesundheitlichen Nutzen bieten müssen. |
| Postbiotika | Bestandteile aus inaktivierten Mikroorganismen und deren Fermentation. Enthalten keine lebenden Mikroorganismen. |
Vereinfacht gesagt: Präbiotika dienen ausgewählten Darmmikroorganismen als Nahrung, Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen und Postbiotika setzen auf gezielt inaktivierte Mikroorganismen beziehungsweise deren Bestandteile.
Warum ist das Darmmikrobiom so wichtig?
Im Verdauungstrakt von Hunden und Katzen leben zahlreiche Mikroorganismen. Gemeinsam bilden sie das Darmmikrobiom. Dieses komplexe System ist an verschiedenen Vorgängen im Körper beteiligt. Es hilft dabei, bestimmte Futterbestandteile zu verwerten, bildet Stoffwechselprodukte und steht in engem Austausch mit der Darmschleimhaut und dem Immunsystem. Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms ist nicht bei jedem Tier gleich. Sie kann sich außerdem verändern – beispielsweise durch einen Futterwechsel, Stress, Erkrankungen oder die Gabe von Antibiotika. Solche Veränderungen bedeuten jedoch nicht automatisch, dass ein Tier krank ist. Sie müssen immer zusammen mit möglichen Beschwerden und dem allgemeinen Gesundheitszustand betrachtet werden.
Was zeigen Studien zu Postbiotika bei Hunden und Katzen?
Die Wirkung eines Postbiotikums hängt unter anderem von den verwendeten Mikroorganismen, dem Herstellungsverfahren, der Dosierung und der gesamten Rezeptur ab. Studienergebnisse beziehen sich deshalb immer zunächst auf die konkret untersuchte Zubereitung.
In einer kontrollierten Studie erhielten zwölf gesunde erwachsene weibliche Beagles unterschiedliche Mengen eines Fermentationsprodukts aus der Hefe Saccharomyces cerevisiae. Dabei beobachteten die Forschenden Veränderungen bei bestimmten im Kot nachgewiesenen Bakteriengruppen und bei ausgewählten Immunparametern. Die Verdaulichkeit der Hauptnährstoffe und die Kotbeschaffenheit wurden dagegen nicht wesentlich beeinflusst. Aufgrund der kleinen und sehr einheitlichen Studiengruppe liefern die Ergebnisse erste Hinweise, lassen sich aber nicht uneingeschränkt auf alle Hunde übertragen.
Eine 2025 veröffentlichte Studie untersuchte ein Saccharomyces-cerevisiae-Fermentationsprodukt bei 63 gesunden erwachsenen Katzen über einen Zeitraum von 42 Tagen. Die Verdaulichkeit blieb auch hier unbeeinträchtigt. Gleichzeitig blieb die Vielfalt der im Kot nachgewiesenen Mikroorganismen in den Gruppen, die das Hefefermentationsprodukt erhielten, weitgehend stabil, während sie in der Kontrollgruppe abnahm. Darüber hinaus veränderten sich weitere untersuchte Darm- und Immunparameter. Nicht alle diese Veränderungen lassen sich bislang eindeutig als gesundheitlicher Vorteil bewerten. Weitere Untersuchungen sind daher notwendig, um ihre Bedeutung besser einordnen zu können.
Was lässt sich daraus ableiten?
Die Studien liefern interessante Hinweise darauf, dass bestimmte Hefefermentationsprodukte die Zusammensetzung beziehungsweise Vielfalt der im Kot nachgewiesenen Mikroorganismen und ausgewählte Immunparameter beeinflussen können. Untersucht wurden jedoch gesunde erwachsene
Tiere. Die Ergebnisse belegen daher nicht, dass Postbiotika bestehende Verdauungsbeschwerden lindern oder Erkrankungen behandeln können.
Welchen Vorteil haben inaktivierte Mikroorganismen?
Probiotika müssen bei der Verabreichung lebend und in ausreichender Menge vorhanden sein. Lagerung, Wärme, Feuchtigkeit und Verarbeitung können ihre Lebensfähigkeit beeinträchtigen.Die Funktion von Postbiotika hängt dagegen nicht von lebenden Mikroorganismen ab. Deshalb können sie bei Verarbeitung und Lagerung stabiler sein als lebende Kulturen. Die tatsächliche Stabilität hängt vom jeweiligen Produkt und Herstellungsverfahren ab.
Inaktiviert bedeutet also nicht automatisch wirkungslos. Trotzdem ist nicht jede inaktivierte Hefe ein Postbiotikum – dafür muss der gesundheitliche Nutzen des jeweils eingesetzten Hefeprodukts wissenschaftlich belegt sein.
Was bedeuten Postbiotika für die Fütterung?
Postbiotika können als funktionale Bestandteile in Futtermitteln eingesetzt werden. Ob ein bestimmtes Produkt zu Deinem Hund oder Deiner Katze passt, hängt von der gesamten Rezeptur, der enthaltenen Menge und den individuellen Bedürfnissen Deines Tieres ab.
Postbiotika ersetzen weder eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung noch eine notwendige tierärztliche Behandlung. Bei länger anhaltendem Durchfall, Erbrechen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit oder wiederkehrenden Verdauungsproblemen solltest Du Dein Tier tierärztlich untersuchen lassen.
Postbiotika in der Tierernährung von Dr.Clauder’s
Bei der Weiterentwicklung ausgewählter Futterrezepturen greift Dr.Clauder’s den aktuellen Forschungsstand zu Postbiotika auf. Im Mittelpunkt stehen dabei postbiotische Zubereitungen auf Basis inaktivierter Hefe.
Ob ein bestimmtes Produkt Postbiotika enthält, kannst Du der jeweiligen Produktbeschreibung und Zusammensetzung entnehmen.
Fazit: Inaktiviert, aber nicht bedeutungslos
Postbiotika bestehen aus gezielt inaktivierten Mikroorganismen und/oder deren Bestandteilen. Damit eine Zubereitung nach der wissenschaftlichen Definition als Postbiotikum gilt, muss ihr gesundheitlicher Nutzen nachgewiesen sein. Studien bei gesunden Hunden und Katzen liefern interessante Hinweise auf mögliche Einflüsse bestimmter Hefefermentationsprodukte auf die im Kot nachgewiesenen Mikroorganismen und ausgewählte Immunparameter. Entscheidend ist dabei immer die konkret untersuchte Zubereitung – denn Postbiotikum ist nicht gleich Postbiotikum.
Häufige Fragen zu Postbiotika
Wie wirken Postbiotika bei Hund & Katze?
Bestimmte Postbiotika können die Verdauung unterstützen, zu einem ausgeglichenen Darmmilieu beitragen und das Darmmikrobiom beeinflussen. Studien zeigen zudem mögliche Effekte auf ausgewählte Funktionen des Immunsystems.
Was sind Postbiotika einfach erklärt?
Postbiotika entstehen aus Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefe. Diese werden zunächst gezüchtet und anschließend gezielt inaktiviert. Das bedeutet: Sie sind nicht mehr lebendig und können sich nicht vermehren. Ihre Bestandteile und Stoffe, die bei der Herstellung entstehen, bleiben dabei erhalten. Genau das unterscheidet Postbiotika von Probiotika: Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen, Postbiotika nicht. Wichtig ist: Nicht jede inaktivierte Hefe oder jedes Fermentationsprodukt ist automatisch ein Postbiotikum. Dafür muss ein gesundheitlicher Nutzen der fertigen Mischung nachgewiesen sein.
Was ist der Unterschied zwischen Präbiotika, Probiotika und Postbiotika?
Präbiotika sind bestimmte Futterbestandteile, die von ausgewählten Mikroorganismen im Darm genutzt werden. Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen. Bei Postbiotika wurden die eingesetzten Mikroorganismen dagegen gezielt inaktiviert.
Ist jede inaktivierte Hefe ein Postbiotikum?
Nein. Eine Hefe wird nicht allein durch ihre Inaktivierung zum Postbiotikum. Entscheidend ist, dass die gesamte Zubereitung genau beschrieben und ihr gesundheitlicher Nutzen nachgewiesen wurde.
Können Postbiotika Verdauungsprobleme behandeln?
Postbiotika sind keine Arzneimittel und ersetzen keine tierärztliche Behandlung. Die bisherigen Studien liefern Hinweise auf mögliche Effekte bestimmter Zubereitungen, belegen aber nicht, dass Postbiotika Verdauungsprobleme behandeln oder lindern können.